
In Tübingen geht es gegenwärtig heiß her in Sachen Militarisierung der Hochschule. Zwar hat die Uni Ende 2009 aufgrund der damaligen Studierendenproteste eine Zivilklausel in ihre Grundordnung aufgenommen, seither fanden jedoch mehrfach (Lehr-)Veranstaltungen von und mit Bundeswehrangehörigen statt, weiter wird Forschung im Auftrag des Verteidigungsministeriums durchgeführt und der Leiter der Münchener Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, der wie kaum ein zweiter für die Remilitarisierung der deutschen Außenpolitik steht, wurde zum Honorarprofessor – ausgerechnet der Friedens- und Konfliktforschung – ernannt.
Hinter der Honorarprofessur Ischingers stehen u.a. dieselben Kräfte, die auch die Einführung einer Zivilklausel befürworteten und nun – nachdem Fakten geschaffen wurden – im Rahmen einer Ringvorlesung die „Friedensklausel“ diskutieren möchten – u.a. mit einer Angehörigen der Führungsakademie der Bundeswehr. Die Bedeutung dieser Friedensklausel hat kürzlich Ischinger in einem Interview mit dem Schwäbischen Tagblatt so umrissen: „Es ist doch gerade das Ziel solcher [Friedens-]Missionen, der Bevölkerung in Krisengebieten eine friedlichere Zukunft zu ermöglichen. Entspricht das denn nicht dem Gedanken der Zivilklausel?
Wir meinen: Nein. Eine Zivilklausel, die Rüstungsforschung und (Lehr-)Veranstaltungen Bundeswehrangehöriger zu den Berufsperspektiven von Sozialwissenschaftler_innen einschließt, die Tierversuche zur besseren Behandlung von Knalltrauma bei Soldaten und Selbssteuerung von Drohnen durchführen lässt, ist keine Zivilklausel. Dennoch diente sie als Anlass, die militaritischen Wurzeln und Rahmenbedingungen der Wissenschaft zu untersuchen und Forschungsvorhaben auf ihre Verbindungen zu Rüstung, Bundeswehr und Geheimdienste abzuklopfen. Was sich dabei in Tübingen, Baden-Württemberg und darüber hinaus offenbarte, darüber möchten wir uns Ende Oktober austauschen. Wir laden herzlich ein zu dem offenen Kongress/Vernetzungstreffen
Programm
Die Veranstaltung beginnt am Freitag mit einem kritischen Stadtrundgang zu Forschung und Lehre für militärische Zwecke. Bei der anschließenden Abendveranstaltung sollen Hintergründe der Militarisierung der Hochschule und die bisherigen Kämpfe gegen diese dargestellt werden. Am Samstag sollen Workshops stattfinden, die u.a. darüber aufklären sollen, wie militärrelevante Forschung im Bereich der Medizin, der Sozialwissenschaft, der Biologie
usw. erkannt und ihr begegnet werden kann. In Tübingen konnten hierzu bereits umfangreiche Erfahrungen gewonnen werden, die durch Referent_innen aus dem ganzen Bundesgebiet ergänzt werden sollen. Zum Abschluss soll ein Austausch über die Militärforschung in den Universitäten und eine Vernetzung gegen diese stattfinden. Übernachtungsplätze und Verpflegung stellen wir zur Verfügung.
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Genauer Ort: N.N., Tübingen, siehe http://zivilklauselkongress.blogsport.de/
FREITAG 28.10.2011
15:00-17:00: Stadtrundgang: Forschung und Lehre für den Krieg
Abendessen
19:00: Vortrag und Diskussion: Zwischen Militärintervention und
Hochschulreform: Forschung und Lehre im Kontext deutscher
Sicherheitspolitik (mit Dietrich Schulze, Detlef Hartmann, Christoph Wiesner u.a.)
SAMSTAG 29.10.2011
10:00: Frühstück
11:00-13:00: Arbeitsgruppen:
• Forschen für die „zivile Sicherheit“. Oder doch Rüstungs-
forschung? (mit Eric Töpfer)
• Wie erkennt man und was stimmt nicht an „Wehrmedizin“
• Interventionsforschung? Geisteswissenschaften und die
Armee im Einsatz (mit Peer Heinelt)
• Ingenieurwissenschaften und Rüstung (Soeren Boehrnsen angefr.)
13:30-15:00: offene Abschlussdiskussion und Vernetzung
15:30: Abschlussessen
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